
Bergisches Land – 7 Talsperren auf 194 Kilometern zwischen Dhünn und Sieg
Diese Tour durchs Bergische Land verspricht kurvenreiches Vergnügen, Serpentinen und viel Wasser und Natur.
Bergisches LandMotorradregion Bergisches Land1 Strecke
Der Motorrad-Guide im Bergischen Land: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Das Bergische Land liegt rechtsrheinisch in Nordrhein-Westfalen, östlich von Köln und Düsseldorf. Die natürlichen Grenzen sind schnell benannt: im Norden die Ruhr, im Westen der Rhein, im Süden die Sieg; nach Osten geht die Landschaft ohne scharfe Kante ins Sauerland über. Wer den Namen für schroffe Gipfel hält, liegt falsch — das „Bergische" kommt von den Grafen und Herzögen von Berg, nicht von Bergen im alpinen Sinn. Geologisch ist es ein Mittelgebirge, über weite Strecken eine wellige Fastebene, die von zahllosen engen Kerbtälern zerschnitten wird. Diese schmalen, steilen Einschnitte heißen hier „Siepen" — und sie sind der Grund, warum kaum ein Kilometer wirklich gerade verläuft.

Höhenrekorde gibt das Revier trotzdem her, nur bescheidene. Der höchste Berg ist die Homert bei Gummersbach mit 519 Metern über Normalhöhennull, dicht gefolgt vom Unnenberg mit 505,7 Metern, dessen Aussichtsturm der höchste frei begehbare Punkt der Region ist. Zwischen diesen Höhenrücken und den Talsohlen der Flüsse liegen selten mehr als drei-, vierhundert Höhenmeter, doch die verteilen sich auf kurze Distanz. Wupper, Agger, Dhünn, Düssel, Sülz und Wiehl haben sich tief eingegraben; die Straßen folgen ihnen, klettern über die Kämme und fallen ins nächste Tal. Das ergibt ein ständiges Auf und Ab aus Kuppen, Senken und wechselnden Kurvenradien — Passfahrten im Kleinformat, ohne Serpentinen-Theater, dafür ohne Pause.
Das Rückgrat für Motorräder bildet ein dichtes Netz aus Bundes- und Landstraßen. Die B237 zieht sich auf 31 Kilometern von Bergisch Born bei Remscheid über Hückeswagen, Wipperfürth und Ohl bis Kierspe und verbindet dabei die Autobahnen A1 und A45. Unterwegs kreuzt sie eine ganze Reihe weiterer Achsen, die für sich schon Tourencharakter haben: die B51, die B483 bei Hückeswagen, die B506 bei Wipperfürth, die B256 bei Ohl und die B54 bei Kierspe. Dazwischen spannt sich ein Geflecht aus Land- und Kreisstraßen, das Talsperren, Dörfer und Höfe verbindet. Erschlossen wird das Ganze über den Autobahnring aus A1, A3, A4 und A45, der das Bergische Land grob umschließt und die Anfahrt aus Rheinland und Ruhrgebiet kurz hält. Lange Geraden sind die Ausnahme; typisch sind mittelschnelle Kurvenkombinationen, blinde Kuppen und enge Ortsdurchfahrten aus Schiefer und Fachwerk.
Was das Bergische unter Motorradfahrern bekannt gemacht hat, ist seine Talsperren-Landschaft. Über zwanzig Stauseen liegen hier auf engem Raum, kaum irgendwo sonst so dicht beieinander. Die Große Dhünntalsperre, die Wupper-, Bever-, Agger- und Wiehltalsperre sind die größten. Die Straßen winden sich an ihren Ufern entlang, queren Vorsperren auf schmalen Dämmen und geben zwischen den Fichten immer wieder den Blick aufs Wasser frei. Ein Unterschied lohnt die Beachtung: An den Trinkwassertalsperren wie der Großen Dhünntalsperre bleibt das Ufer gesperrt, während Brauchwasser- und Freizeitsperren wie die Bever- oder Aggertalsperre mit Rastplätzen, Bootshäfen und Badestellen bis ans Wasser reichen. Vor allem der Oberbergische Kreis rund um Gummersbach, Wipperfürth und Marienheide gilt als Kernrevier: dünn besiedelt, waldreich, mit kurvigen Nebenstraßen, die kaum je überlaufen sind. Wer aus dem Rheinland kommt, ist in einer knappen Stunde mitten drin.

Auch das Auge fährt mit. Die Dörfer zeigen den „Bergischen Dreiklang": schieferverkleidete Fassaden in Schwarz, dazu weiße Fensterrahmen und grüne Schlagläden — eine Bauweise, die sich von Radevormwald bis Wiehl durchzieht und den Ortsdurchfahrten einen eigenen Takt gibt. Zwischen den Häusern tauchen immer wieder Fachwerkhöfe, alte Hammerwerke und Kotten auf, Zeugen der Zeit, als das Wasser der Bäche die Schleifsteine und Schmiedehämmer trieb.
Den Gegenpol bildet das Bergische Städtedreieck aus Wuppertal, Solingen und Remscheid im Nordwesten. Klingen, Werkzeuge und Textilien prägten hier über Jahrhunderte das enge Tal der Wupper, das sich als schmales Band durch die bewaldeten Hänge zieht, hoch überspannt von der Müngstener Brücke. Wuppertal ist die größte Stadt der Region und trägt den Beinamen „Großstadt im Grünen", weil die Wälder bis dicht an die Bebauung reichen. Für Motorradfahrer sind diese Städte weniger Ziel als Durchgang: Man streift sie beim Wechsel von einem Talsystem ins nächste und hat gleich hinter der letzten Ampel wieder Wald vor dem Vorderrad.
Das viele Grün hat einen Preis, und der heißt Niederschlag. Von Westen nach Osten steigen die Jahresmengen von rund 800 auf über 1350 Millimeter — das Bergische zählt zu den regenreicheren Ecken Nordrhein-Westfalens. Für die Landschaft ist das ein Gewinn: dichte Buchen- und Fichtenwälder, satte Wiesen, klare Bäche. Für die Reifen heißt es mitdenken. Im Schatten der Waldstücke bleibt der Asphalt lange feucht, im Herbst liegt Laub in den Kurven, und nach einem Schauer glänzt die Fahrbahn oft schneller, als der Himmel es vermuten lässt. Die fahrfreundlichste Zeit ist das lange Halbjahr von April bis Oktober, wenn die Fernsicht von den Höhenrücken am weitesten reicht.
Genau diese Mischung macht das Revier aus: kurze Wege aus den Ballungsräumen Köln, Düsseldorf und Ruhrgebiet, dahinter aber sofort ein enges, kurviges Straßennetz, das mehr Konzentration verlangt als Tempo belohnt. Das Bergische Land ist kein Gelände für die große Alpen-Geste, sondern für den Rhythmus aus Tal, Kamm und Talsperre — ebenso geeignet für die Feierabendrunde nach der Arbeit wie für die ausgedehnte Tagestour. Wer Kurven mag und auf Serpentinen verzichten kann, findet hier eines der zugänglichsten Motorradreviere Westdeutschlands.
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